Allgemeine Informationen Garten Pflanzenverkauf Sammelblätter Gebirgspflanzen Artenschutz Botanische Forschungsprojekte Tiere Eingangsseite
Artenschutz: Dryopteris cristata
|
||
|
Der Kamm-Wurmfarn, Dryopteris cristata (L.) A. Gray, ist in „Rote Liste Farn- und Samenpflanzen“ (Schulz 1999) für Sachsen mit der Gefährdungskategorie „2“ versehen, also als „stark gefährdet“ zu bezeichnen. Von den etwa 27 aus Sachsen bekannt gewordenen Vorkommen sind gegenwärtig noch lediglich 7 als bestätigt und damit sicher existent anzusehen. Dryopteris cristata ist im Direktionsbezirk Chemnitz bereits erloschen (Jeßen 2007). Im Regierungsbezirk Leipzig konnte von ehemals 5 Vorkommen nur noch eines nachgewiesen werden. Ein weiteres (im NSG "Wildenhainer Bruch") wurde 1969 letztmalig erwähnt, seither jedoch nicht wieder bestätigt. Im Direktionsbezirk Dresden befinden sich heute noch 6 Vorkommen, die in den letzten Jahren wieder bestätigt werden konnten. Die Ursachen für den Rückgang der in Erlenbruchwäldern und Sphagnum-Mooren vorzugsweise des Tieflandes siedelnden Art sind ausschließlich durch anthropogene Beeinflussung der Standorte begründet. Zum Einen wird der Verlust von geeigneten Standorten durch Melioration der Feuchtbiotope verursacht, zum Anderen werden durch die Eutrophierung aus der Luft und von umliegenden landwirtschaftlich genutzten Flächen stark wachsende Pflanzenarten, wie verschiedene Gräser, Binsen, Gehölze etc. begünstigt, die die relativ konkurrenzschwache Art letztendlich verdrängen. Die Art ist nicht nur in Sachsen im Rückgang, sonder vielmehr auch in verschiedenen weiteren Bundesländern Deutschlands und in manchen Gebieten hier sogar völlig erloschen (Bennert 1999). Selbst europaweit büßt Dryopteris cristata offenbar immer mehr an Vorkommen ein. In der Schweiz ist deshalb bereits ein Erhaltungs-Projekt in Angriff genommen worden (Kozlowski 1999, 2000). Im Jahr 2001 wurde von Mitarbeitern der Walter-Meusel-Stiftung ein "Artenhilfsprojekt Dryopteris cristata Alte See Grethen" beantragt und 2002 begonnen. Dieses dient dem Erhalt des letzten noch verbliebenen Vorkommens der Art im Direktionsbezirk Leipzig. Es umfasst Pflegearbeiten zur Wiederherstellung der natürlichen Standorte des Farnes und seiner Hybriden in den Pflanzengesellschaften des Erlenbruchwaldes, den Aufbau einer Erhaltungskultur (ex situ-Kultur) und populationsstützende Maßnahmen in Form von Wiederansiedlungsmaßnahmen und Schaffung kleinflächiger Pionierstandorte zur Aktivierung einer möglicherweise vorhandenen "permanenten Bodensporenbank". In den Jahren 2003 bis 2007 waren erste Erfolge zu verzeichnen. So nahm die Vitalität der Pflanzen an den gepflegten Standorten deutlich zu. Viele Individuen bildeten wieder fertile Wedel (Sporenbildung). Es konnten erst vereinzelt, später vielfach Jungsporophyten festgestellt werden, die mittlerweile z.T. zu größeren Jungpflanzen heran wuchsen. Im Jahr 2006 wurden darüber hinaus erste Wiederansiedlungsversuche mit den aus der Erhaltungskultur stammenden Individuen durchgeführt. Die Aktion erwies sich als erfolgreich. Etwa 95% der ausgebrachten Pflanzen fassten Fuß und konnten sich etablieren. Durch die genannten Maßnahmen konnte am altbekannten Standort bei Grethen wieder eine intakte, vitale und umfangreiche Population des Kammwurmfarnes aufgebaut werden.
Das Projekt wird seit 2009 im Rahmen der Naturschutzrichtlinie "Natürliches Erbe" (RL NE/2007) unter dem Namen "Artenschutzmaßnahmen zum Erhalt von Dryopteris cristata im Direktionsbezirk Leipzig" fortgesetzt.
Zitierte Literatur: Bennert, H.W. (1999): Die seltenen und gefährdeten Farnpflanzen Deutschlands - Biologie, Verbreitung, Schutz. – Bundesamt für Naturschutz Bonn. Bonn-Bad Godesberg
Jeßen, S. (2007): Ergebnisse des Artenhilfsprogramms für den Kamm-Wurmfarn, Dryopteris cristata, im Regierungsbezirk Leipzig. – Naturschutzarbeit in Sachsen 49: 59-66 Kozlowski, G. (1999): Ein Arten- und Biotopschutzprojekt des Botanischen Gartens Freiburg: Bedrohte und seltene Pflanzenarten in den Mösern von Düdingen und Sâles (Kt. Freiburg). Schwerpunkt: Der Kammfarn [Dryopteris cristata (L.) A. Gray] und die Pflege seiner Lebensräume. – Bull. Soc. Fribourgeoise Sienc. Nat. 88: 58-70 Kozlowski, G. (2000): Der Kammfarn [Dryopteris cristata (L.) A. Gray] in den Mösern von Düdingen und Sâles (Kt. Freiburg). – Das Prothallium 5: 1-5 Schulz, D. (1999): Rote Liste Farn- und Samenpflanzen. – Sächs. Landesamt f. Umwelt und Geologie, Dresden |
![]() Der Kammwurmfarn, Dryopteris cristata, bei Grimma - eine in Sachsen stark im Rückgang begriffene Farnart der Erlenbruch- und Moorgesellschaften |
|
Die natürlichen Standorte des Kammwurmfarns in Erlenbruchwäldern sind heute infolge Eutrophierung z.T. stark verwuchert; im Bild eine Pflanze von Dryopteris cristata, die durch Brombeergestrüpp und Binsen bedrängt und kaum noch lebensfähig ist |
||
![]() Ein Mitarbeiter der Walter-Meusel-Stiftung bei Pflegearbeiten zur Wiederherstellung der Standorte von Dryopteris cristata |
||
![]() Durch kontinuierliches Freihalten der Erlenbulte sind wieder intakte Populationen des Kammwurmfarnes vorhanden. |
||
|
Aus Sporenmaterial vom natürlichen Standort wurden in den Anlagen des Arktisch-Alpinen-Gartens Chemnitz Erhaltungskulturen aufgebaut. |
||
|
An kleinflächig geschaffenen Pionierstandorten wurden erste Versuche zur Ausbringung von Individuen aus der ex situ-Kultur zur weiteren Stärkung der Dryopteris cristata-Population vorgenommen. |
||
© Walter-Meusel-Stiftung Chemnitz 2009